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Online-Nachschlagewerk zur Meeresforschung
Herausgeber: Dr. D. Völker

Marine Snow

Autor: Dr. David Völker

Als "marine snow" (Meeres-Schnee) werden flockige, zusammengeklumpte Partikel bezeichnet, die aus der Wassersäule auf den Meeresboden absinken. Sie machen in bestimmten Regionen und zu bestimmten Jahreszeiten den größten Teil des "Regens" absinkender Partikel am Meeresboden aus.

Marine snow bildet sich durch physikalische Koagulation (Verklumpung) von allen möglichen Primärpartikeln wie Staub, Phytoplankton, totem Zooplankton, Tonmineralen und organischen Exkrementen. Die Wasserbewegung verursacht den Zusammenstoß der Primärpartikel die zusammenkleben und als Aggregate mit zunehmender Größe auch mit zunehmender Geschwindigkeit absinken.

Kaum gebildet, werden die Aggregate auch schon von Zooplankton gefressen, von Bakterien besiedelt und zum Teil auch wieder zersetzt. Die Partikel machen daher bei ihrem Durchgang durch die Wassersäule eine ständige Veränderung von Größe und chemischer Zusammensetzung durch.

Die Bildung von marine snow wird neben dem Absinken von Partikeln als fecal pellets als wesentlicher Mechanismus für den Transport von feinkörnigen Sedimenten zum Meeresboden betrachtet. Der vertikale Transport von chemischen Verbindungen im Ozean ist wesentlich an den Transport von Partikeln gebunden. Dies liegt darin, daß der Transport von gelösten Stoffen nur mit der vertikalen Umwälzung der Wassermassen geschehen kann. Die vertikale Umwälzung der Wassermassen im Rahmen der thermohalinen Zirkulation ist ein langsamer Prozess im Zeitrahmen von Tausenden von Jahren. Der Transport von Flocken von marine snow benötigt dagegen von der Wasseroberfläche zum Meeresboden nur wenige Tage.

Diese vertikalen Materialflüsse sind wichtig für den Transport von Nährstoffen und gebundenem Kohlenstoff in die tiefen Bereiche der Ozeane. Von diesem Nährstoffeintrag lebt der allergrößte Teil der benthischen Lebensgemeinschaften am Ozeanboden. Mit Ausnahme der chemotrophen Lebensgemeinschaften an schwarzen Rauchern sind alle Lebwesen am Meeresboden auf diesen Export aus der photischen Zone angewiesen.

Darüber hinaus ist der Transport von organischem Material zum Meeresboden einen Einfluss auf das Klima, da auf diesem Wege Kohlenstoff in der Form von Kohlendioxyd aus den Oberflächenwassermassen abgezogen und in den Sedimenten begraben werden. Da die Oberflächenwassermassen in einem Gasaustausch mit der Atmosphäre stehen, kann auf diese Weise Kohlensioxyd für längere Zeit dem atmosphärischen Reservoir entzogen werden.