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Online-Nachschlagewerk zur Meeresforschung
Herausgeber: Dr. D. Völker

Die Gestalt des Meeresbodens

Autor: Dr. David Voelker

Die gesamte Fläche der Meere nimmt etwa 70 % der Erdoberfläche ein. Die Gestalt des Meeresbodens ist vielfältig und umfasst die Kontinentalränder als Übergang von Kontinenten zur Tiefsee und die Tiefsee mit breiten Ebenen, aus der das System der Mittelozeanischen Rücken, sowie aseismische Rücken und Plateaus und Tiefseekuppen ragen. Die mittlere Meerestiefe der gesamten Ozeane beträgt 3795 m

Die Erde ist in erster Näherung eine Kugel mit einem Radius r von 6.378 km. Demzufolge beträgt seine Oberfläche 4*pi*r2 ~ 510*106 km2. Da etwa 70% der Erdoberfläche von Ozeanen bedeckt sind, macht das eine Fläche von 361*106 km2 aus. Davon entfallen etwa 86.5*106 km2 auf den Atlantik, 166*106 km2 auf den Pazifik und 73.5*106 km2 auf den Indischen Ozean. Außerdem gibt es noch (oft vergessen) das Nordpolarmeer.

Von der gesamten, vom Meer bedeckten Fläche entfallen 70,8% oder 268*106 km2 auf die Tiefsee und etwa 93*106 km2 auf Schelfe und Kontinentalhänge. Die Unterscheidung zwischen Tiefsee einerseits und Kontinentalrändern andererseits kann an der unterschiedlichen Tiefenlage und Hangneigung festgestellt werden. Die Ursache für diese Unterschiede ist ihre verschiedene plattentektonsiche Natur: Schelfe und Kontinentalhänge werden von kontinentaler Kruste gebildet werden, sie sind sozusagen wasserbedeckte Kontinente. Der Meeresboden der Tiefsee ist dagegen durch ozeanische Kruste charakterisiert. Aus diesem Grund ergeben sich weitere Unterschiede, z.B. in der Mächtigkeit der Sedimentbedeckung.

Atlantik Indischer Ozean Pazifik
Bathymetrie Bathymetrie Bathymetrie
Plattengrenzen Plattengrenzen Plattengrenzen
Krustenalter Krustenalter Krustenalter

Karten der Weltozeane: Bathymetrie, Tektonik & Alter der Kruste

Die Verteilung von Randmeeren & Schelfgebieten, Tiefseebecken, Mittelozeanischen Rücken (MORs), sowie aseismischen Plateaus läßt sich durch ein Histogramm (hypsometrische Kurve, häufig auch als Summenkurve) darstellen (s.U.). Wie noch zu belegen, ist diese Verteilung ein Ausdruck der plattentektonischen Prozesse, welche die Ozeanbecken formen.

Hypsometrische Kurve von Atlantik (und Nebenmeere), Pazifik und Indischem Ozean zwischen 60°N und 60°S. Die Wassertiefen wurden aus dem ETOPO5-Datensatz extrahiert und Tiefenintervallen von 20 m zugeordnet. Der Vergleich zeigt die deutlichen Unterschiede zwischen den Ozeanen. Der Atlantik hat bei weitem die breitesten Schelfgebiete, jedoch keine Tiefseerinnen. Der Pazifik ist insgesamt tiefer und hat einen geringen Flächenanteil an extrem tiefen Bereichen des Meeres, die Tiefseerinnen. Die Tiefenverteilung spiegelt so die plattentektonischen Unterschiede der Ozeanränder wieder. Die Grafik wurde mit dem Programm GNUPLOT erzeugt.

Wenn man die Flächenanteile von Schelfgebieten, Kontinentalhang & -fuß, sowie Tiefseerinnen an der Gesamtfläche der Ozeane (abzüglich Randmeere) in Zahlen ausdrückt, lassen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ozeanen erkennen:

Ozeane ohne Randmeere Schelfe Kontinentalhang Kontinentalfuss Tiefseerinnen
Atlantik 6.80E6 km2 7.9% 6.578E6 km2 7.6% 5.381E6 km2 6.2% 0.447E6 km2 0.5%
Indischer Ozean 2.622E6 km2 3.6% 3.475E6 km2 4.7% 4.212E6 km2 5.7% 0.256E6 km2 0.3%
Pazifik 2.712E6 km2 1.6% 8.587E6 km2 5.2% 2.69E6 km2 1.6% 4.757E6 km2 2.9%

Flächen der einzelnen geologischen Provinzen an der Gesamtfläche der 3 großen Weltozeane in Quadratkilometern und als prozentualer Anteil an der Gesamtfläche.

Besonders auffällig ist die Verteilung von Schelfgebieten und Kontinentalhang und Fußregionen einerseits und Tiefseegräben andererseits: Der Pazifik hat im Mittel schmale Schelfe und Kontinentalränder, jedoch einen relativ großen Anteil an Tiefseegräben, der Atlantik andersherum breite Schelfe und Kontinentalränder, jedoch nur wenige Tiefseegräben (in der Tat nur in der Karibik und im äußersten Südwestatlantik). Die Gründe für die Verteilung liegen in der plattentektonischen Natur der Ozeanböden und Kontinentalränder und werden im Folgenden erläutert.