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Online-Nachschlagewerk zur Meeresforschung
Herausgeber: Dr. D. Völker

Die Nordsee

Autor: Dr. David Völker

Die Nordsee ist ein flaches Randmeer des Atlantischen Ozeans, das mit dem Atlantik über den Kanal und die Schottische See, sowie über den Kattegat mit der Ostsee in Verbindung steht. Sie ist ein Schelfmeer, d.h. ein überfluteter Bereich kontinentaler Kruste, der in der Vergangenheit oft trocken fiel. Seine heutige Gestalt ist das Ergebnis der jüngsten holozänen Transgressionen.

Die Nordsee wird oft in die südliche Nordsee (Deutsche Bucht und Southern Bight), die zentrale und nördliche Nordsee, die Norwegische Rinne und den Skagerrak unterteilt. Der Kattegat bildet eine Übergangszone zur Ostsee. Die Nordsee nimmt eine Fläche von 570.000 km2 ein. Ihre Wassertiefe beträgt im südlichen Bereich weniger als 50 m. Nach Norden steigt diese allmählich auf ca. 200 m an der Schelfkante zum Atlantik nördlich der Shetland-Inseln an. Tiefere Tröge, sowie flache Gründe und Bänke gestalten den Nordseegrund. Die größte Tiefe wird mit 700 m in der Norwegischen Rinne erreicht. Die Doggerbank im zentralen Teil der südlichen Nordsee hat eine Wassertiefe von nur 15-20 m (Dieses Bild signalisiert einen Literaturhinweis!Walter, 1995Walter, R. 1995. Geologie von Mitteleuropa. Schweizerbarth'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. 566 S.). Die südliche Nordseeküste wird vom Wattenmeer gesäumt, dessen Gestalt durch den Anstieg des Meeresspiegels über die flachen Küstenbereiche um 9000 vor heute (Jelgersma 1979) und während der Flandrischen Transgression um 6000 vor heute.

Die moderne Gestalt des Meeresbodens der Nordsee ist durch tiefe alte Strukturen (Gräben und Horste) geprägt, aber im wesentlichen eiszeitlich gestaltet. Während der letzten Eiszeiten wurden große Sedimentvolumina von den angrenzenden Festländern glazial erodiert und parallel zu den alten Küsten und Eisrändern abgelagert. Man kann Endmoränen, glaziale Rinnen, sowie Sander erkennen. Diese Pleistozäne Morphologie bestimmt auch die Gestalt vieler Sandbankgruppen und bildet die alten Kerne der meisten Nordseeinseln. In der südlichen Nordsee wird die pleistozäne Morphologie durch Sediment-Umverteilung durch Gezeitenströme und Sedimentation modifiziert.

Der Meeresboden der Nordsee ist heute fast ausschließlich mit Lockermaterial bedeckt. Festgesteine stehen nur vor der Ostküste Englands (nördlich von Flamborough Head), der Küste Norwegens sowie auf Helgoland an. Sande, hauptsächlich Feinsande, aber auch gröberes Material, sammeln sich vor allem in weniger tiefen Bereichen und auf den Bänken. Sie werden durch die Gezeitenströme und im flacheren Meer auch durch Wellenbewegung transportiert und bilden ebene Sandflächen, Großrippelfelder oder langgestreckte Sandwälle. Feineres Material, das in Suspension transportiert wird, kommt außer im küstennahen Watt hauptsächlich im stilleren Wasser tieferer Rinnen zur Ablagerung, z.b. im Silverpit-Gebiet südlich der Doggerbank, in der gegen Nordwesten gerichteten Helgoland-Rinne sowie weitflächig auch in der Norwegischen Rinne und im Skagerrak. Insgesamt ist der größere Teil der gegenwärtigen Sedimente der Nordsee aus der Umlagerung pleistozäner Lockerablagerungen hervorgegangen. Die Neubildung organischer Substanz und Zufuhr durch die Straße von Dover oder vom Festland her spielen nur eine untergeordnete Rolle. Eine Karte der Sediment- und Korngrössenverteilung der Deutschen Bucht wurde von Sündermann & Klöckner vorgelegt. Die Friesischen Inseln spielen eine besondere Rolle, da sie den Wellenschutz für das Rückseitenwatt bilden, in dem feine Partikel zur Ablagerung kommen können.

Im Untergrund der Nordsee befinden sich große Öl - und Gasvorkommen. Etwa 85% der Gasproduktion stammt aus äolischen Dünensandsteinen des Perm (Rotliegend), 13% aus fluviatilen Sandsteinen des Trias (Quelle: Strategic Environmental Assessment).

Einen guten Überblick über die Sedimente der zentralen und nördlichen Nordsee gibt das die website Strategic Environmental Assessment (SEA)