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Online-Nachschlagewerk zur Meeresforschung
Herausgeber: Dr. D. Völker

Die Ostsee

Autor: Dr. David Voelker

Die Ostsee ist von Landmassen umgeben und steht nur über das Kattegat in Verbindung zu den Weltmeeren bzw. der Nordsee. Es wird daher auch als riesiger Fjord betrachtet. Die Ostsee ist insgesamt relativ flach (mittlere Tiefe 50 m), es gibt jedoch einzelne tiefe Träge bis 470 m Tiefe. Die Fläche beträgt 412 560 km², das Volumen 21.631 km³

Hydrologisch gesehen handelt es sich um ein Verdünnungsbecken. Die Eigenschaften der Wassermassen in der Ostsee (Temperatur und Salzgehalt) werden durch den Austausch mit der Nordsee und mit der Süßwasserzufuhr der Flüsse reguliert. Die Ostsee ist das größte Brackwasserbecken der Welt. In der südwestlichen Ostsee beträgt die Salinität etwa 20 PSU (im Vergleich zu 35 PSU in offenen Weltmeeren), im nördlichen Bereich Bottnischen Meerbusens, im Osten des Finnischen Meerbusens und in Estuaren ist es fast Süßwasser (<5 PSU).

Wasserzufuhr Wasserabfuhr
Flußwasserzufuhr Niederschlag Einstrom aus der Nordsee Verdunstung Abfluss in die Nordsee
440 km3/Jahr 225 km3/Jahr 470 km3/Jahr 185 km3/Jahr 950 km3/Jahr

Bilanz für den Wasserhaushalt der Ostsee (Quelle: homepage des Institut für Ostseeforschung Warnemünde)

Der Salzgehalt des Wassers der Ostsee schwankt räumlich und zeitlich in weiten Grenzen. Der Salzgehalt ist hauptsächlich vom Zustrom von Salzwasser aus der Nordsee und Süßwasser aus Niederschlägen und Flüssen abhängig. Vor Warnemünde kann der Salzgehalt bei starkem Westwind der Salzgehalt auf 18 Promille steigen und bei Ostwind auf 6 Promille fallen, normalerweise liegt er bei etwa 12 Promille (Quelle: homepage des Institut für Ostseeforschung Warnemünde IOW). Meterologische Bedingungen (Luftdruckverhältnisse zwischen Ostsee und Nordsee) führen im Abstand von einigen Jahren zu grässeren Einsträmereignissen von normalsalinem Wasser aus der Nordsee in die westliche und mittlere Ostsee. Bei diesen Salzwasser-Einbrüchen wird ein Teil des Bodenwassers der Ostsee erneuert. Da die hydrologische Situation ansonsten eine vertikale Durchmischung der Wassersäule erschwert, ist dieser Prozess für die den Meeresboden bewohnenden Lebewesen wichtig. Ein solcher Salzwassereinbruch fand im Januar 2003 statt und ist dokumentiert worden (Pressemitteilung des IOW Jan 2003). Dabei flossen geschätzte 120 km3 Salzwasser in die Ostsee.

Profile des Salzgehalts der Ostsee vor Warnemünde von der Wasseroberfläche bis in eine Tiefe von 20 m kännen als Jahresdurchgänge beim IOW abgefragt werden. Die Daten stammen von einem fest verankerten Messmast an der Darsser Schwelle. Die Darsser Schwelle liegt zwischen Hiddensee und der Insel Män und ist damit gut geeignet, einen Teil des Wasseraustauschs zwischen Ostsee und Nordsee zu beobachten. Aus den Profilen geht hervor, dass im Allgemeinen eine Überschichtung von leichtem salzarmen Wasser (geringer 10 Promille Salzgehalt) über salzreicherem Wasser (10-22 Promille Salzgehalt) vorliegt. Diese Schichtung ist ein ostseetypisches Phänomen. Der Grund für die Schichtung ist der hohe Eintrag von Süsswasser in die Ostsee, das als "Deckel" das oberste Stockwerk der Wassersäule bildet. Der Bilanzüberschuss an Süsswasser bewirkt eine Oberflächensträmung aus der Ostsee hinaus. Unter der Deckschicht dringt kälteres und salzhaltigeres Nordseewasser ein und breitet sich entsprechend seiner häheren Dichte aus. Diese Schichtung des Wasserkärpers ist stabil und als ganzjährige Sprungschicht zu registrieren. Die grässte Chance für eine Durchmischung besteht im Herbst und Winter, wenn die Temperaturunterschiede geringer werden und Stürme das Meer aufwühlen.

Tiefenprofil von Salzgehalt und Temperatur über das Jahr 1997 von der Darsser Schwelle zwischen Hiddensee und der Insel Män. Das Profil belegt die beinahe ganzjährige einfache Schichtung der Wassersäule. Diese stabile Schichtung wird gelegentlich -vor allem im Winter- unterbrochen. In diesem Fall dringt salzreiches Wasser bis an die Meeresoberfläche vor. Die Daten stammen von einem fest verankerten Messmast des BSH an der Darsser Schwelle.

Weitere Informationen bietet das Baltic Sea Portal des Finnish Institute of Marine Research.