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Online-Nachschlagewerk zur Meeresforschung
Herausgeber: Dr. D. Völker

Submarine Canyons

Autor: Dr. David Voelker

Kontinentalhänge und manchmal auch Schelfgebiete der Kontinente sind von submarinen Canyons durchschnitten. Diese Canyons sind 100 - 1000 m in Schelf und Hang eingeschnitten, haben oft steile Wände und einen mäandrierenden Verlauf.

Die Erscheinung von submarinen Canyons betrifft sowohl aktive als auch passive Kontinentränder. Submarine Canyons sind auf allen Kontinenten, einschliesslich der Antarktis zu beobachten. Ihre Ausmaße in Länge, Breite und Tiefe übertreffen häufig bei weitem die an Land zu beobachtenden Canyonsysteme

Die Geschichte der Entstehung einzelner Canyons ist unterschiedlich. Im Fall von Canyons, die von Flussmündungen ausgehen und in den Schelf eingeschnitten sind wird häufig eine Bildung zu Zeiten eines niedrigeren Meeresspiegels angenommen. Während des letzten glazialen Maximum (LGM, etwa vor 18.000 Jahren) lag der Meeresspiegel um 110 m tiefer als heute. Bei diesem Meeresspiegel dürfen weltweit weite Bereiche der heutigen Schelfgebiete trocken gelegen haben. Flüsse haben sich in die Sedimente eingeschnitten. Die Flussmündungen lagen an den damaligen Küstenlinien die heute in einer Wassertiefe von 80-100 m liegen. Beispiele für solche Canyons, die direkt von Flüssen ausgehen sind der Themse-Canyon, der Congo-Canyon und der Monterey-Canyon, eigentlich haben fast alle grossen Fluss-Systeme ihre unterseeischen Verlängerungen.

Andere Canyons sind nicht so direkt einzelnen Flüssen zuzuordnen und schneiden häufig auch nicht erkennbar in den Schelf ein. Manche dieser Canyons sind an tektonische Störungen gebunden.

Kontinentalhang vor Kalifornien, Beschreibung siehe Bildunterschrift

Schelf und Kontinentalhang vor Kalifornien (die blaue Lagune links im Bild ist die San Francisco Bay). Der Kontinentalhang ist von submarinen Canyons durchzogen. Das grösste Canyonsystem ist der Monterey Canyon rechts im Bild. Dieser Canyon ist in den Schelf eingeschnitten und reicht bis kurz vor die Küste. Andere Canyons beginnen erkennbar erst an der Schelfkante.

In jedem Fall braucht es einen Mechanismus, der die Canyons weiter vertieft oder zumindest frei hält, denn bei in der Regel relativ hohen Sedimentationsraten auf Kontinentalrändern würden (und werden) solche Strukturen eingeebnet. Submarine Canyons dienen als bevorzugter Transportweg von Turbiditströmen. Die von Flüssen oder in küstenparallelen Strömungen antransportierten Sedimente fallen in die Arme der Canyons. Die Turbidite gewinnen an Geschwindigkeit und können immer mehr Material mitreissen. Ein Beleg für diese Aktivität ist das Vorhandenseit von Tiefseefächern dort, wo sich die Canyons in die Tiefsee öffnen. Ein weiterer Beleg für die periodich hohen Geschwindigkeiten, die Turbidite in den Canyons entwickeln, sind die Eigenschaften der im "Flussbett" der Canyons abgelagerten Sedimente. Häufig handelt es sich um grobes klastisches Material bis hin zu Geröllen, wie sie ein Gebirgsfluss transportiert.

Kastengreiferprobe aus dem Tolten Canyon vor Chile

Kastengreifer-Probe vom Boden des Tolten-Canyons vor Südchile. Die groben Kiesel sind etwa 5 cm breit (Schnecke zum Grössenvergleich).