Flashplayer downloaden? Logo Meeresgeologie Online ... zur Startseite
Schrift kleiner | grösser 

Online-Nachschlagewerk zur Meeresforschung
Herausgeber: Dr. D. Völker

Tiefseekuppen

Autor: Dr. David Voelker

Tiefseekuppen oder seamounts sind unterseeische Berge vulkanischen Ursprungs. Sie ragen aus Tiefsee-Ebenen von mehr als 4000m Wassertiefe empor bis zum Meeresspiegel oder im Falle von Vulkaninseln darüber hinaus. Sobald der Vulkanismus erlischt, werden Vulkaninseln unter dem Einfluss von Regen und Wellen zu flachkuppigen Guyots abgetragen. Als Lebensraum-Inseln können Tiefseekuppen eine diverse endemische Fauna beherbergen.

Die Anzahl bekannter Tiefseekuppen in den Weltmeeren liegt bei 30.000. Typischerweise handelt es sich um kegelförmige Gebilde mit einem Durchmesser an der Basis von 10-100 km und einer Hangneigung zwischen 5° und 25° ( Dieses Bild signalisiert einen Literaturhinweis!Kennett, 1982Kennett, J. P. (1982). Marine geology. Englewood Cliffs: Prentice-Hall. ). Tiefseekuppen ragen mehrere 100te bis 1000e Meter aus den nahezu flachen Tiefsee-Ebenen. Tiefseekuppen, die wie Tafelberge erscheinen, d.h. deren Spitze abgeflacht ist, werden Guyots genannt. Diese Einebnung ist ein Hinweis auf Erosion unter dem Einfluss von Wellen und damit ein Beleg dafür, daß es sich um Stümpfe von Vulkanen handelt, die irgendwann einmal als Vulkaninseln über den Meeresspiegel ragten. Ein Beispiel für derartige Vulkaninseln wäre der Pico de Teide, der aus der Kanaren- Tiefsee-Ebene aus 4000 m Wassertiefe bis in eine Höhe von 3715 m über NN aufragt. Solange Tiefseekuppen vulkanisch aktiv sind, können sie in die Höhe wachsen. Wird die Verbindung zur unterliegenden Magmenkammer unterbrochen oder läßt aus anderen Gründen die Produktion von Magma nach, überwiegt die Abtragung. Die Rate der Abtragung ist unter dem Einfluß der Atmosphäre und der Wellen relativ hoch, die unterseeische Erosion dagegen gering. Ein weiterer Grund für das langame Absinken von Tiefseekuppen ist die Subsidenz der ozeanischen Kruste während ihrer Abkühlung (siehe Kapitel zur Sclater -Beziehung)

Beschreibung siehe Bildunterschrift

Beschreibung siehe Bildunterschrift

Die Kanarischen Inseln Gomera, Tenerifa und Gran Canaria und ihr unterseeischer Sockel. Der Pico de Teide auf Tenerifa ragt aus 4000 m Wassertiefe bis in eine Höhe von 3715 m über NN. Das Blockbild ist xx-fach überhöht. Die Gestalt des Meeresbodens nach dem Datensatz von Smith & Sandwell, die Gestalt der Inseln nach dem Datensatz gtopo30.

Ketten von Tiefseekuppen entstehen dort, wo ein hotspot unter der ozeanischen Kruste für periodisch schwankende vukanische Aktivität sorgt. Wenn eine ozeanische Platte über solch einen über lange Zeiträume relativ ortsfesten hotspot wandert, können Episoden der Produktion von basaltischem Material einzelne unterseeische Vulkane und auch Vulkaninseln erschaffen. Die vulkanische Aktivität der einzelnen Tiefseekuppen nimmt ab, wenn sie sich von dem hotspot entfernen, die Inseln werden abgetragen und versinken. Ein schönes Beispiel ist die Hawaii-Inselkette und ihre unterseeische Fortsetzung, die Emperor-Seamount-Kette. Derartige "hotspot-tracks" lassen darauf schließen, daß hotspots langlebige und relativ ortsfeste Erscheinungen sind.

Die ozeanische Inselkette der Hawaii-Inseln und ihre untermeerische Fortsetzung, die Emperor-Tiefseekuppen. Die Kette erstreckt sich über 5800 km von der heute noch aktiven Zone der Hawaii-Inseln und der Meiji-Tiefseekuppe im Norden (53°N) und umfasst mehr als 100 vulkanische Strukturen (Dieses Bild signalisiert einen Literaturhinweis!Keller et al, 2000Keller R. A., M. R. Fisk & W. M. White (2000). Isotopic evidence for Late Cretaceous plume-ridge interaction at the Hawaiian hotspot. Nature, Vol. 405, pp. 673-675). Mit zunehmender Entfernung von Hawaii nimmt auch das Alter der Inseln bzw. Tiefseekuppen zu. Der auffällige Knick in der Kette von Tiefseekuppen wird auf eine Rekonfiguration der Plattenbewegungen vor etwa 41 My zurück geführt.

Tiefseekuppen sind als Lebensraum durch eine hohe Diversität und einen hohen Grad an Endemismus vor allem in bezug auf sessile filtrierende Organismen gekennzeichnet. Einzelne Kuppen, die als Strukturen aus den weiten Tiefsee-Ebenen aufragen sind, ähnlich wie Inseln, selbstständige, relativ isolierte Lebensräume. Im Unterschied zu den sedimentgefüllten Tiefsee-Ebenen existiert ein Hartgrund zur Besiedlung, außerdem erzeugen Tiefseekuppen lokal erhöhte Wasserströmungen, die nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe nach oben steigen lassen. Aus den genannten Gründen ist daher die Besiedlungsdichte mit filtrierenden sessilen Organismen relativ hoch. Auffällig ist weiterhin, dass der Grad des Endemismus bei einzelnen untersuchten Tiefseekuppen hoch, und die Überlappung der besiedelnden Arten von Tiefseekuppe zu Tiefseekuppe relativ gering ist. Bei Beprobungen der benthischen Faunengemeinschaften verschiedener Tiefseekuppen im Sudpazifik durch Dieses Bild signalisiert einen Literaturhinweis!de Forge et al. (2000)deForge B. R., Koslow, J. A. & G. C. B. Poore (2000). Diversity and endemism of the benthic seamount fauna in the southwest Pacific. Nature, vol. 405, pp. 944-945. wurde festgestellt, dass viele (29-34%) der ans Licht gebrachten Tierarten unbekannt waren. Eventuell existieren einige dieser Arten nur an diesen Tiefseekuppen. Zweitens aber wurde festgestellt, dass die Überlappung von Tierarten zwischen den untersuchten Kuppen insgesamt gering ist. Sie ist etwas höher zwischen benachbarten Kuppen, die als "seamount chains" entstanden sind, als zwischen Kuppen unterschiedlichen Ursprungs.